Den beruflichen Wandel gestalten – 5 Tipps

Die derzeitige Krise, die durch einen kleinen Virus mit großer Wirkung ausgelöst wurde, führt uns vor Augen, dass Veränderungen und die damit einhergehenden Anpassungen etwas Alltägliches sind. Selbst Annahmen und Handlungen, die wie in Stein gemeißelt schienen, z.B. das sich freie Bewegen und Reisen oder der Einkauf von Toilettenpapier, sind mit einem Mal nicht mehr selbstverständlich. Der Stein, der hier das Thema Sicherheit, Festigkeit und ewige Haltbarkeit symbolisieren soll, wird durch ein Ereignis – einem kleinen oder großen Hammer – rissig bzw. in kleine Splitter zerlegt. Das betrifft im Moment auch viele Jobs. Statt zu versuchen die Risse und Splitter zu kitten und das alte Modell wiederherzustellen, empfehle ich den beruflichen Wandel aktiv und im Sinne der eigenen Interessen zu gestalten. Und vielleicht ändert sich dann das Bild vom soliden Stein in ein 3D-Puzzle mit vielen Möglichkeiten.

Zwei Wege mit Krisen umzugehen

Den Arbeitsmarkt trifft die Krise besonders heftig. Viele Menschen bangen um ihre sicher geglaubten Arbeitsplätze, z. B. in der Tourmismusbranche. Die eher passive Möglichkeit damit umzugehen lautet: „Ich stecke den Kopf in den Sand und warte ab bis der Sturm vorüber ist. Mich wird er schon nicht wegwehen.“ Die andere eher aktive Variante lautet: „Ich nehme die Krise an, betrachte sie vielleicht sogar als Chance bzw. Schubs und überlege, was ich noch machen könnte. Welcher Tätigkeit möchte ich künftig nachgehen? Wie kann ich mich jetzt schon darauf vorbereiten?“ Sprich, die berufliche Veränderung gestalten und nicht abwarten, was sich ergibt oder andere für einen entscheiden.

Doch den beruflichen Wandel aktiv und im besten Sinn für sich zu gestalten, ist für viele Menschen unerforschtes Neuland. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen will, wie die verschiedenen Phasen der beruflichen Neuorientierung aussehen, findet in diesem Video eine visualisierte Erläuterung.

Die folgenden fünf Tipps demonstrieren, wie du wertschätzend mit dir selbst umgehen und dich mit kleinen Schritten im Neuland bewegen kannst:

1. Annehmen statt hadern

Wenn ein von außen initiierter Wandel ansteht, ist dein erster Gedanke vielleicht „Warum muss gerade ich den Job verlieren?“ oder „Gerade habe ich mich eingearbeitet und jetzt kommt die Corona-Krise und ich muss schon wieder wechseln!“ Diese Gedanken oder ausgesprochenen Sätze sind sehr menschlich, wenn ein Ereignis unerwartet eintrifft und Geplantes über den Haufen wirft.

Doch wer zu lange in dieser Schleife des Haderns mit dem Schicksal verbleibt, wird mit der Zeit wie gelähmt. Wem schadest du mit diesem Groll in dir am meisten? Dir selbst! Wenn du dagegen die Veränderung oder verpasste Chance als Tatsache annimmst, wirst du beweglicher und eröffnest dir Räume für neue Optionen.

Du kannst es gerne mal mit der nachstehenden, eher unwichtigen Situation ausprobieren: Du hast die Bahn verpasst. Sie fährt dir vor der Nase weg und die nächste Bahn kommt erst in einer Stunde.

Übung 1: Du steigerst dich so richtig in das Verpassen der Bahn hinein. Du schimpfst auf den Verkehr, die Anschlüsse oder dich selber. Hadere damit, dass du nun eine Stunde warten musst. Nimm dabei wahr, wie du dich fühlst.
Übung 2: Du nimmst die Wartezeit als gegebene Tatsache an. „Es ist, wie es eben ist.“ Diesen Satz kannst du dir mehrmals laut vorsagen und dabei tief durchatmen. Du überlegst, wie du die gewonnene Stunde sinnvoll für dich nutzen kannst. Was nimmst du jetzt wahr? Wie fühlst du dich nach dieser Übung?

2. Was da ist, wertschätzen

Gerade wenn es um eine berufliche Veränderung geht, stellen viele Menschen ihre Fähigkeiten und ihren bisherigen Berufsweg in Frage. Manche verlieren sogar ihr Selbstwertgefühl derart, dass sie ihre Fähigkeiten, Stärken und Talente gar nicht mehr im Bewusstsein haben. Sobald der Zweifel an der eigenen Person nagt, ist es wichtig, mit einem positiven Filter auf die Vergangenheit zu schauen. Beispielhaft hier ein paar Fragen:

Was habe ich in meinem Leben schon erreich?

Welche Kompetenzen und Fähigkeiten habe ich erworben?

Was hat mir in meinem bisherigen (Berufs-)Leben gut gefallen bzw. gut getan?

Was ist mir besonders gut gelungen?

Wofür loben mich andere? Oder wofür bedanken sich andere bei mir?

Worauf baue ich auf?

Da es hier um die eigene Wertschätzung geht, solltest du nur die positiven Aspekte herausstellen und jedes „ja, aber“ vermeiden. Am leichtesten wird es dir fallen, wenn du die Übung schriftlich machst.

3. Innere Einstellung überprüfen

Ein Großvater sprach mit seinem Enkel über seine Gefühle angesichts einer kürzlich erlebten Tragödie. Er sagte: „Es ist so, als ob zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen. Einer der Wölfe ist rachsüchtig, wütend und gewalttätig. Der andere ist traurig, liebevoll und voller Mitgefühl.“ Der Enkel war aufgeregt und fragte: „Aber Großvater, welcher Wolf wird den Kampf in deinem Herzen gewinnen?“ Der Großvater lächelte und sagte: „Derjenige, den ich füttere.“

Vor dem Hintergrund dieser kurzen Indianergeschichte möchte ich dich einladen, zu überprüfen, welche Einstellung du grundsätzlich zu Veränderungen hast. Ich empfehle dir einen 10-Minuten-Text zu schreiben: Nimm dir einen Block und einen Stift, stell dir einen Wecker auf 10 Minuten und beginne – ohne eigene Bewertung und Korrektur – ALLES aufzuschreiben, was dir zu „So denke ich über Veränderungen“ einfällt. Du hörst erst auf zu schreiben, wenn der Wecker klingelt. Lese dir anschließend deinen Text durch. Was sagt der Text über deine Einstellung aus? Vermeide dabei jegliche Bewertung. Alles ist okay!

4. Polaritäten erkennen und benennen

Eine Veränderung erzeugt Ambivalenzen zwischen dem Vertrauten und dem ungewissen Neuen. Damit einher gehen einige Spannungsfelder wie z.B. Sicherheit versus prickelnde Vorfreude auf ein Abenteuer, mehr Zeit für Familie und Freunde versus leidenschaftlicher und intensiver Arbeit.

In einem ersten Schritt empfehle ich dir, deine persönlichen Polaritäten zu benennen. Zwischen welchen Extremen bewegst du dich während eines beruflichen Veränderungsprozesses? Für deine Begriffe kannst du auch gut Bilder oder Symbole verwenden, z.B. Stein und Watte, Fülle und Leere oder schwarz und weiß. Der zweite Schritt wird im nächsten Tipp beschrieben.

5. Mit den Möglichkeiten dazwischen jonglieren

So, wie es beim Wetter nicht nur reine Sonnen- und reine Regentage gibt, sondern viele wechselhafte Tage mit unterschiedlichen Wolkengebilden, ist das Feld zwischen den Polen voller vielfältiger Möglichkeiten. Um sie zu erkunden, kannst du zunächst deine beiden Extreme – visualisiert durch Symbole oder auf jeweils eine Karte geschrieben – weit entfernt voneinander auf dem Boden anordnen. Bewege dich nun mit kleinen Schritten von einem Pol zum anderen. Bei jedem Schritt schreibst du auf eine Karte, was die Möglichkeit dazwischen bedeutet.

Hier ein Beispiel für eine berufliche Neuorientierung und das Bewegen zwischen Pol A „Expert*in in meinem Fach, aber langweilig“ und Pol B „Fachlich völliges Neuland, aber aufregend“:

  1. Schritt ab Pol A: Entwickle mich in meinem Fach weiter
  2. Schritt: Suche mir ein angrenzendes Fach im selben Unternehmen
  3. Schritt: Suche mir ein neues Unternehmen und arbeite im gleichen Fach
  4. Schritt: Suche mir ein neues Unternehmen und arbeite in einem angrenzenden Fach
  5. Schritt: Mache mich selbständig, mit meinem Expertentum
  6. Schritt: Prüfe, was mich noch interessiert und recherchiere, wie ich dorthin kommen könnte. Arbeite eventuell mit einem*r Coach.

usw. bis Pol B.

Mit dieser Methode erfährst du, dass es eben nicht nur A und B, sondern ganz viele Möglichkeiten dazwischen gibt. Du kannst mit ihnen jonglieren und dich deiner, für dich passenden Veränderung leichter annähern.

Werde aktiv

Die erste Schockstarre und Trauer über das, was nun vorüber ist, sind in einem Veränderungsprozess unvermeidlich. Doch wenn du darin allzu lange verharrst, sinkt dein Energielevel und den Weg in die eigene Hand zu nehmen, wird immer schwieriger. Diese fünf Tipps mögen dich dabei unterstützen, einer unerwarteten Krise leichter zu begegnen und den beruflichen Wandel aktiv zu gestalten. Wer noch mehr Anregungen und Selbstcoaching-Übungen haben möchte, findet diese im Kartenspiel „Wandelwillig?!“.

Melde dich gerne, wenn du Fragen hast oder mit einer Coach an deiner Seite die berufliche Veränderung meistern willst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.