Fortsetzung: Ein Lebenslauf mit 7 beruflichen Veränderungen

Teil 2

In der Krise steckte meine nächste Chance auf Weiterentwicklung

Nach zwei bewegten und großartigen Jahren bei dem Start-up Unternehmen kam nach der CeBIT 2001 das plötzliche Aus. Verursacht durch den Börsencrash, stoppte die kanadische Mutter nach und nach sämtliche Investitionen in Europa. Die erste Abteilung, die dem Sparen zum Opfer fiel, war die Marketing-Abteilung. Ich bekam zum ersten Mal in meinem Leben eine betriebliche Kündigung und war über das Wochenende am Boden zerstört.

Doch auch diese Krise erwies sich als Vorbote zu neuen Entwicklungschancen. Mit meiner zweijährigen Marketing-Erfahrung und den erfolgreichen Projekten im Rücken bewarb ich mich auf ein Neues. Die Zeit dafür war denkbar schlecht, denn neben mir gab es Tausende, die von ihren Arbeitgebern entlassen worden waren. Und so streute ich wieder einmal in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, dass ich arbeitssuchend sei. Das war schließlich das Erfolgsrezept: Mein späterer Schwager vermittelte den Kontakt zu einer Mitarbeiterin aus der Personalabteilung des Bayer-Konzerns. Sie versprach meine Unterlagen an einige Tochterunternehmen weiterzuleiten, die gerade aus dem Konzern ausgegliedert worden waren. Diese sollten nun auf eigenen Füßen stehen und bräuchten bestimmt jemand für die Marketing-Abteilung.

Auf der Karriereleiter

Chancen für Entwicklung

Dabei war auch ein frisch gegründetes Unternehmen für Chemielogistik. Ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und am nächsten Tag als Verantwortliche für die Marketing-Kommunikation eingestellt. Die vom Bayer-Konzern stark geprägte Unternehmenskultur war genau das Gegenteil von dem, was ich in der Start-up Firma erlebt hatte. Statt Vertrauen und flachen Hierarchien, herrschten hier Kontrolle und das Einhalten von genau definierten Kommunikations- und Entscheidungsregularien. 

Nach den zuvor genossenen Freiheiten und einer Führungskultur, die auf Eigenverantwortlichkeit setzte, musste ich mich erst einmal umgewöhnen und anpassen. Mangels einer genauen Stellenbeschreibung meines Arbeitsplatzes, konnte ich die Inhalte meiner Arbeit zumindest so gestalten, wie ich es für richtig hielt. Das tat ich auch und verschaffte mir in dem von Männern geprägten Unternehmen einiges Ansehen. Nach zwei Jahren erkannte ein neuer Geschäftsführer, was in mir steckt. Er forderte, förderte und beförderte mich zur Leiterin Unternehmenskommunikation und Change Management. Damit wurde der dritte Grundstein für mein heutiges Betätigungsfeld gelegt.

Sehr lehrreiche Jahre

Während meiner fünfjährigen Tätigkeit in dem Logistikunternehmen erlebte ich drei Geschäftsführer und unterschiedliche Ansätze ein Unternehmen zu führen. Ich bildete mich weiter in Change Management und moderierte schließlich eigene Workshops zu dem Thema. Ich lernte viel über interne Kommunikation und machte sie zum wichtigsten Bestandteil der Unternehmenskommunikation. Ich führte das erste Mal Mitarbeiterinnen und versagte in dieser Rolle, weil ich ihr zu dem Zeitpunkt – trotz Führungskräftetraining – nicht gewachsen war. Ich baute ein auf Vertrauen basierendes Lieferanten-Netzwerk auf und sorgte für eine Außenkommunikation, die von den potenziellen Kunden wahrgenommen wurde. Bis Ende 2005 konnte ich aktiv gestalten und dazu beitragen, dass sich das Unternehmen weiterentwickelte.

Mit einem neuen Geschäftsführer wandelte sich die Strategie und die Tendenz, das Unternehmen wieder stärker an Bayer zu binden, wirkte sich auf meinen Arbeitsplatz aus. Zudem hatte ich Anfang 2006 das Gefühl, dass mein persönlicher Leistungszenit an dieser Stelle erreicht war. Ich hatte zwar sehr viel zu tun, doch trotzdem langweilte mich die Arbeit zunehmend. Prompt hatte ich einen Bandscheibenvorfall und fiel für mehrere Wochen aus. Es war wieder einmal …

Zeit für Veränderung

Zunächst bewarb ich mich eher halbherzig auf ähnliche Jobangebote. Intuitiv war mir klar, dass ich in einem anderen Unternehmen auch nicht zufriedener wäre. Allmählich reifte der Gedanke, endlich dem zu folgen, was ich schon lange wollte: Mich selbständig machen. Doch mit was? Und wer sollten meine Kund*innen sein? Wie ließ sich das finanzieren? Immerhin hatten mein Mann und ich für November 2006 mal wieder vier Wochen Neuseeland gebucht.

Ich verfolgte die Strategie, die sich für mich zuvor schon einmal als nützlich erwiesen hatte, und kündigte meinen sicheren Arbeitsvertrag zum Ende des Jahres. Zuvor hatte ich allerdings einen Lieferanten, zu dem ich eine besonders gute Beziehung aufgebaut hatte, gefragt, ob ich für ihn freiberuflich arbeiten könnte. Es kam ihm sogar gelegen, da bei ihm ein großes Kundenprojekt anstand, bei dem er meine Unterstützung gut gebrauchen konnte.

Start in die Selbständigkeit

Meinen neuen Lebensabschnitt begann ich 2007 zunächst mit einem Reha-Aufenthalt. Danach sorgte ich weiterhin für meine Gesundheit, erstellte meinen Business Plan, besuchte Existenzgründungs-Workshops, stellte bei der Agentur für Arbeit den Antrag auf Gründungszuschuss und netzwerkte, um mich und meine Leistung zu vermarkten. Wenn mich Geschäftsleute fragten, was ich als Selbständige anbieten würde, fragte ich zunächst „Was brauchen Sie denn?“. Oft konnte ich über diese Frage kleine Beratungs-, Kommunikations- oder Trainingsaufträge gewinnen.

Start in Selbständigkeit

Im Mai 2007 begann meine offizielle Selbständigkeit. Mittlerweile hatte die vom Lieferanten zum Kunden mutierte Firma tatsächlich den großen Auftrag an Land gezogen und ich durfte für über ein Jahr als freiberufliche Projektmanagerin Konzepte für ein ganzheitliches Ideenmanagement ausarbeiten und umsetzen. Ein Strategiewechsel und eine drastische Budgetverringerung beim Auftraggeber führten dazu, dass ich plötzlich kaum noch gebraucht wurde.

Leider hatte ich mich währenddessen nicht um andere Kundenprojekte bemüht – typischer Anfängerfehler von Selbständigen – und stand nach anderthalb „fetten“ Jahren ohne Kunden bzw. Einkommen da. Statt in Panik zu verfallen, vertraute ich darauf, dass ich neue Aufträge bekommen würde, wenn ich nur weiter in Kontakt mit Multiplikatoren und Entscheidern bliebe. Und so war es auch. Über verschiedene Personen aus meinem Netzwerk erhielt ich Aufträge in der Change Kommunikation und arbeitete viele Jahre als Freelancerin für IT-Unternehmen in der Unternehmenskommunikation.

Weitere Entwicklungsschritte

Zusätzlich bildete ich mich als Coach und NLP Practitioner weiter. Nach vielen Coachingeinheiten mit Testpersonen bekam ich ein Gespür für meinen Coachingstil. Doch was sollte ich mit meiner Coaching- und NLP-Ausbildung anfangen? Es gibt so viele Coaches. Für welches Feld, welche Nische, welches Thema sollte ich mich spezialisieren? Das war ein langer Findungsprozess, der übrigens auch eine gescheiterte Kooperation mit einer Geschäftspartnerin beinhaltete.

2011 folgte ich einem Impuls und bewarb mich als Managerin ohne Grenzen bei einem Kinderdorf- und Jugendhostel-Projekt in Nepal, das von dem deutschen Freundeskreis Nepalhilfe e.V. 1995 gegründet wurde. Sechs Wochen war ich vor Ort, um eine Berufsberatung aufzubauen. Seit 2012 bin ich Mitglied des Vorstandes und reiste drei weitere Male nach Nepal. Neben unglaublich intensiven und emotionalen Momenten, lernte ich dort Gelassenheit, einen sehr wertschätzenden Umgang untereinander und die Zufriedenheit, die in mir selbst begründet ist. Zudem erkannte ich den Wert einer individuellen Berufsberatung.

Meiner Berufung auf die Spur gekommen

Nach meiner Rückkehr aus Nepal folgte ein neuer Freelancer-Einsatz und ich absolvierte meine NLP Masterausbildung. Während dieser Ausbildung kam ich meiner Berufung näher. Ich formulierte mein erstes Mission-Statements, das ich in den kommenden acht Jahren weiter reifen ließ und mit Inhalten füllte.

Von 2014 auf 2015 verbrachten mein Mann und ich eine sechsmonatige Auszeit in Neuseeland. Nach vier Monaten der totalen Entspannung griff ich mein Thema an einem schönen Ort wieder auf. Ich las „Das Café am Rande der Welt“ und „Big Five for Life“ von John Strelecky, nutzte die Aufgaben aus „Wishcraft“ von Barbara Sher und schrieb meine Gedanken und Ideen auf.

Zuhause angekommen, begann ich sofort einen Blog zu den Themen Mission, Vision und Berufung zu schreiben. Ich wollte das, was mir am Herzen liegt, bekannt machen. Er nannte sich „Visionsentwicklung“. Nach und nach entwickelte ich mich zur Expertin für das Thema. Doch so richtig aufmerksam wurden darauf nur wenige, denn der Titel des Blogs traf nicht das Bedürfnis der Zielgruppe.

Wandelwillig?!

Im Februar 2015 hatte ich ein Schlüsselerlebnis, das mich richtig motivierte und in Gang setzte: Ich bekam eine Einladung, als Jurorin an der Bonner Ideenbörse teilzunehmen. Das brachte mich dazu, zu überlegen, was ich als Ideeneinreicherin dort präsentieren würde. Wie könnte ich mein Angebot erlebbar machen? Das war die Befruchtungssekunde von der Website berufliche-neuorientierung.net und von „Wandelwillig?!“, das Kartenspiel mit 50 Selbstcoaching-Übungen zur persönlichen und beruflichen Neuorientierung. Doch hatte ich auch die Zeit, mich um mein „Baby“ zu kümmern? Eine weitere Krise verschaffte mir den Freiraum dafür: Ich verlor meinen Freelancer-Job bei einem Auftraggeber, für den ich acht Jahre tätig war. Es schmerzte sehr und kam zugleich zur rechten Zeit!

Natürlich drehte ich noch einige Runden, die auch in meinem jetzigen Blog nachzulesen sind, bis am 2. Oktober 2017 mein Kartenspiel „Wandelwillig?!“ zur Welt kam. Am 13.11.2017 nahm ich tatsächlich als Ideeneinreicherin an der 31. Bonner Ideenbörse teil und belegte mit meiner Präsentation von „Wandelwillig?!“ den ersten Platz.

Heute lautet mein Mission-Statement

„Ich trage täglich dazu bei, dass Menschen über sich hinauswachsen können – das betrifft auch mich selbst.“

Selbständigkeit, Anstellung und Studium in Teilzeit

2019 bahnte sich eine erneute berufliche Veränderung an. Mit mittlerweile Mitte 50 war ich des ständigen Netzwerkens und Akquirierens ein wenig müde geworden und sehnte mich nach stabileren finanziellen Einnahmequellen. Das Universum bot mir einen Teilzeitjob als Referentin für Interkulturelle Öffnung an und ich griff zu. Ich überzeugte mit meinen methodischen Kenntnissen und meinem Erfahrungswissen. Das Fachwissen eignete ich mir schnell an.

Zeitgleich war ich auf der Suche nach einer Fortbildung zu meiner persönlichen Weiterentwicklung. Der Gedanke „ich könnte doch studieren“ keimte auf und ich sammelte Informationen. Als Klammer für meinen bisherigen Werdegang bot sich der Studiengang Soziale Arbeit an, der zudem in Teilzeit möglich ist. Doch sollte ich mir wirklich NEUN Semester für den Bachelor in Teilzeit antun? Ich prüfte meine Einstellung zum Studium auf „Herz und Nieren“. Es fühlte sich richtig gut an! Und so studiere ich mit großer Leidenschaft seit dem Wintersemester 2019 Soziale Arbeit an der TH Köln.

Die durch Corona bedingte Umstellung auf Online-Coachings und -Studium kam mir für mein ‚Jonglieren mit 3 Bällen‘ sehr gelegen. Den Input, den ich durch das Studium bekomme, kann ich sowohl in meinem Job als Referentin für Interkulturelle Öffnung als auch in meinen Coachings bestens verwerten. Beim Studium profitiere ich von meiner praktischen Erfahrung. Diese Symbiose beflügelt mich jeden Tag auf’s Neue und ich lebe mein Mission-Statement.

Der Gehenden legt sich der Weg zu Fuessen
Fotos: Tanja Deuß – Knusperfarben

Wie geht’s weiter?

Lange Zeit hatte ich die Idee, ich müsste in irgendeinem Beruf ankommen. Diese Idee habe ich ersetzt durch

„Der Gehenden legt sich der Weg, der das Ziel ist, zu Füßen“

Wenn ich gefragt werde, was ich mit dem Studium anfangen will, antworte ich: Das wird sich ergeben, so wie es sich bisher auch immer gefügt hat.

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