Eine Frau – Anfang 50 – im Wandel

Wie ein Wertewandel im fortgeschrittenen Alter zur beruflichen Neuorientierung führen kann

Klara Schmidt (Name geändert) ist 50 Jahre alt und seit 18 Jahren im öffentlichen Dienst beschäftigt. Sie arbeitet gerne und engagiert als Führungskraft in der mittleren Führungsebene mit einem unbefristeten Vertrag. Ihr Job machte ihr immer Spaß. Das klingt so, als wenn sie bis zur Rente an ihrem Arbeitsplatz bleiben könnte. Warum sie sich dennoch mit einer beruflichen Neuorientierung beschäftigt und welchen inneren und äußeren Hürden sie dabei begegnet, schildert sie im Interview. Zum Jahreswechsel 2019/2020 erzählte sie mir sehr offen und ehrlich, was sie derzeit bewegt.

Interview mit Klara Schmidt

Christiane: Klara, warum wollen Sie sich beruflich neu orientieren? Was sind oder waren die Auslöser?

Klara: 2010 sah ich eine Stellenanzeige, die mich sehr interessierte und auf die ich mich als Quereinsteigerin bewarb. Als es ernst wurde und ich beim Vorstellungsgespräch war, wurde mir erst bewusst, dass zwei für mich entscheidende Dinge nicht stimmten. Erstens hätte ich finanzielle Einbußen hinnehmen müssen und zweitens hätte ich mit einer eher unmotivierten Zielgruppe gearbeitet. Das hinderte mich daran, meinen Job zu kündigen. Doch ab diesem Zeitpunkt dachte ich immer wieder mal über eine berufliche Veränderung nach und stellte fest, dass ich in meinem Job immer unglücklicher werde.

Was mir am Herzen liegt

Sieben Jahre später hatte ich dann einen so starken Erschöpfungszustand erreicht, dass ich über vier Monate gesundheitlich ausgefallen bin. Und im letzten Jahr kamen noch große Differenzen mit meinem Chef und mit meinem Team dazu. Nun widme ich mich gezielter – auch mit professioneller Unterstützung – dem, was mir wichtig ist.

Christiane: Was ist Ihnen denn jetzt wichtig?

Klara: Ich möchte die nächsten 17 Jahre meines Berufslebens einen Job ausüben, der mich zufrieden und glücklich macht.

Christiane: Was fehlt Ihnen denn noch, um den Schritt in einen Job zu gehen, der Sie zufrieden und glücklich macht?

Klare Idee fehlt

Klara: Ich habe zwar in den letzten zwei Jahren viel über mich erfahren und bin viel selbstbewusster geworden. Doch aus meinem Persönlichkeitsbild und einer vagen Idee kann ich noch kein klares Berufsbild ableiten. Ich wüsste im Moment gar nicht, wohin ich mich überhaupt orientieren kann. Mir fehlt eine klare Arbeitsaufgabe.

Zudem schätze ich natürlich die Vorteile, die mein jetziges Arbeitsumfeld – bei allen beziehungstechnischen Nachteilen – mit sich bringen, z.B. eine gewisse Freiheit bei der Ausgestaltung meiner Arbeit, die Zusatzrente und die Bezahlung jeder gearbeiteten Minute. Diese Vorteile halten mich in gewisser Weise bei meinem Arbeitgeber gefangen und lösen Bequemlichkeit aus. Ich weiß noch nicht, wie ich mich emotional davon lösen kann.

Christiane: Wann haben Sie sich denn schon einmal getraut Ihren Job zu wechseln? Und was war damals anders als jetzt?

Klara: Vor 18 Jahren, als ich meinen jetzigen Job angefangen hatte, war ich fest davon überzeugt, dass ich die Herausforderung, die auf mich zukam, meistern würde. Ich lies mich auf einen neuen Wohnort und einen neuen Arbeitgeber ein. Es fühlte sich gut an, weil ich mich fachlich fit fühlte. Jetzt schwimme ich mehr, da ich gar nicht weiß, auf was ich mich fachlich überhaupt einlassen soll. 

Finanzielle Sicherheit

Hinzu kommt noch, dass ich allein für meinen Lebensunterhalt sorgen muss. Bisher war mir die finanzielle Sicherheit immer sehr wichtig war und vielleicht ist es auch noch immer so. Es macht mir Angst, dass ich vielleicht mein Eigenheim nicht mehr finanzieren könnte.

Christiane: Welche Fragen stellen Sie sich noch, wenn Sie an Ihre berufliche Neuorientierung denken?

Klara: Wie eben schon gesagt, beschäftigt mich am meisten die Frage, wie ich das finanziell realisieren kann. Denn wenn ich beispielsweise als Quereinsteigerin in einem Berufsfeld anfangen will, benötige ich zuvor vielleicht noch eine Aus- oder Weiterbildung.

Und mal angenommen, ich hätte eine klare Vorstellung von meinem zukünftigen Beruf, dann wüsste ich aber immer noch nicht, ob ich dort glücklicher sein würde. Wie kann ich prüfen ob meine Vorstellung von einem Job der Realität entspricht?

Tipp: Sprechen Sie mit Personen, die in Ihrem Wunschberuf tätig sind. Die meisten freuen sich, über ihren Job und die Arbeitsbedingungen erzählen zu können. Fragen Sie sie alles, was Sie wissen möchten, um sich ein klares Bild von dem Beruf machen zu können.

Ich weiß nicht, ob ich wegen des erworbenen Eigentums meinen Wohnort verlassen würde. Mir ist bewusst, dass ich die Wohnung natürlich auch verkaufen könnte, doch wenn es sich vermeiden ließe, wäre mir das lieber.

In einem meiner Coachings wurde mir die Frage gestellt, worauf ich zurückblicken würde, wenn ich 75 oder 80 Jahre alt wäre. Ich stellte fest, dass ich mich fragen würde, warum ich den Job nicht gewechselt habe, als ich so unglücklich war.

Tipp: Die Rückblick-Übung ist gut. Ich würde jedoch empfehlen, erst einmal auf die Dinge zurückzublicken, die Sie sich schon in Ihr Leben geholt haben. Diese stärken und machen bewusst, was Sie geleistet und sich erfüllt haben. Aus der Fülle heraus können Sie anschließend die Punkte benennen, die noch fehlen.

Christiane: Was hindert Sie denn daran den Job zu wechseln?

Klara: Mit 75 oder 80 Jahren rückblickend würde ich sagen, Bequemlichkeit und die Angst vor einem Statusverlust, der sicher in meiner Kindheit begründet ist. Da tauchen solche Sätze auf wie „Was wird mein Vater dazu sagen?“.

Ich drehe mich irgendwie im Kreis. Zwar habe ich totale Lust auf etwas Neues und gleichzeitig will ich das Wissen und die Erfahrung, die ich in meinem Berufsleben bisher erworben habe, nicht aufgeben. Immer wieder blockiert mich das Thema finanziell abgesichert zu sein.

Christiane: Was könnten Sie denn gewinnen, wenn Sie den Weg der beruflichen Neuorientierung gehen?

Klara: Zufriedenheit, das Gefühl beruflich angekommen und glücklicher zu sein, mehr Selbstbewusstsein und die Wertschätzung meiner Leistung.

Tipp: Hinterfragen Sie solche Aussagen, damit Sie konkretere Anhaltspunkte bekommen. Hier ein paar Beispielfragen: Was genau macht mich zufrieden? Was konkret muss für mich im beruflichen Umfeld gegeben sein, damit ich zufrieden bin? Kenne ich das Gefühl angekommen zu sein? Wie fühlt sich das an? Wann war ich das letzte Mal glücklich? Was war der Auslöser dafür? Welche Art von Wertschätzung meiner Leistung erwarte ich? Ansonsten werden Ihre „Gewinne“ schwer messbar.

Christiane: Was haben Sie denn bisher unternommen, um Ihrer beruflichen Neuorientierung näher zu kommen?

Klara: Ich habe mit professioneller Hilfe meine Vergangenheit aufgearbeitet und erste Coachings zur beruflichen Neuorientierung in Anspruch genommen. Bei Stepstone habe ich für meinen bisherigen Beruf ein Stellengesuch geschaltet, doch den will ich ja eigentlich gar nicht mehr ausüben. 

Im privaten Umfeld habe ich zwei Personen anvertraut, dass ich mich beruflich verändern will. Somit erzeuge ich für mich auch einen gewissen Zugzwang ins Handeln zu kommen. Doch die Reaktion schmeißt mich eher zurück, als dass sie mich motiviert. Sie sagten solche Sätze wie „Was willst Du denn in Deinem Alter noch machen?“ oder „Du hast doch nur noch 17 Jahre zu arbeiten.“

Ich glaube, um mir darüber klarer zu werden, in welche Richtung ich mich verändern will, muss ich noch genauer festlegen, was ich überhaupt möchte und was mir wichtig ist.

Christiane: Was würde Ihnen dabei helfen?

Optionen zur beruflichen Neuorientierung

Klara: Ich brauche Unterstützer*innen, die mir sagen: „Du kannst XY besonders gut und dafür käme dieser oder jener Beruf in Frage“. Ich benötige Menschen, die mich ein bisschen kennen und bekräftigen, dass ich den Weg, den ich entsprechend meiner Stärken einschlagen will, auch schaffe. Und Beruhiger*innen, die mir das Gefühl geben, dass ich auf mich vertrauen kann und dass alles gutgeht, täten mir gut.

Ich werde im Internet recherchieren, welche Berufsbilder mich ansprechen und interessieren könnten.

Da die finanzielle Absicherung mich im Moment sehr von der Veränderung abhält, werde ich noch genauer kalkulieren, auf was ich verzichten kann und was ich mindestens zum Leben brauche.

Tipp: Eine Exceltabelle erstellen und schwarz auf weiß herausarbeiten, was Sie zum Leben brauchen, kann eine gute Basis für Ihr Sicherheitsgefühl sein. Danach würde ich das Thema finanzielle Sicherheit parken, damit Sie aus Ihrem Gedankenkarussell aussteigen können. Dann erst sind Sie wirklich frei, um neuen Optionen gegenüber offen zu sein. 

Christiane: Was werden Sie als nächstes tun?

Klara: Während des Gesprächs ist mir bewusst geworden, dass ich noch schneller mein Eigenheim abbezahlen will. Dann bin ich finanziell nicht so gebunden und hätte ein besseres Gefühl. 

Ich habe Angst, dass ich, wenn ich wieder im Arbeitstrott bin – im Moment habe ich Urlaub – das Thema der beruflichen Veränderung aus den Augen verliere. Dann gewöhne ich mich wieder daran, nehme es als gegeben hin und mein Plan schwindet.

Christiane: Was könnten Sie denn für sich tun, damit das nicht passiert und Sie kontinuierlich dranbleiben und für sich sorgen?

Klara: Sport hilft mir, meinen Geist von störenden Gedanken zu befreien. Im Urlaub gewinne ich Abstand und neue Perspektiven. Ich arbeite zudem schon seit einiger Zeit daran, meinen Freundeskreis zu verändern. Ich möchte mich mehr mit stärkenden Persönlichkeiten umgeben.

Tipp: Ich empfehle Ihnen Rituale einzuführen wie z.B. ein- oder zweimal die Woche ein bis zwei Stunden sich mit Ihrer beruflichen Zukunft zu beschäftigen. Am besten ist, Sie tragen diesen Termin, den Sie mit sich vereinbaren in Ihren Kalender ein. Nehmen Sie Ihr Anliegen so ernst, wie das eines Kunden und halten Sie sich fest an Ihre Verabredung.

Christiane: Herzlichen Dank, liebe Frau Schmidt, dass Sie uns Ihre Situation so offen geschildert haben. Ich denke, dass es einige Leser*innen gibt, die sich in Ihren Aussagen wiederfinden und nun auch Mut schöpfen, den Weg der beruflichen Neuorientierung anzugehen. 

Zwei weitere wertvolle Impulse, die Dir das Leben in solch einer Situation erleichtern, bekommst Du im VIP-Letter zur Beruflichen Neuorientierung. Du bist noch nicht angemeldet? Hier geht’s zum Check-in.

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