Ikigai – Der Sinn des Lebens

In diesem Beitrag habe ich mir ein gewaltiges Thema vorgenommen. Inspiriert durch das Ergebnis einer Coachingeinheit mit einer Klientin und einem Yoga Retreat habe ich die Frage nach dem Sinn des Lebens von verschiedenen Seiten beleuchtet. Ich freue mich sehr, wenn Du mir zu meiner Sicht auf das Thema Deine Meinung schreibst, gerne im Kommentar oder per Mail.

Ein paar Definitionen

Nachdem ich einem ehemaligen Arbeitskollegen vor rund drei Monaten erklärt hatte, wodurch sich meine Arbeit als Coach für berufliche Neuorientierung auszeichnet, sagte er: „Du hilfst also anderen Menschen ihr Ikigai zu finden.“ Das war für mich neu und ich googelte den Begriff erst einmal: „Ikigai (jap. Lebenssinn) ist das Gefühl etwas zu haben, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen.“ Seitdem haftet ein kleines lila Zettelchen mit der Definition an meinem Rechner und schob sich zum heutigen Beitrag wieder in meinen Fokus. Soll die Sinnfrage so einfach zu beantworten sein?

Im Englischen heißt die Übersetzung ‚the meaning of life‚, was eher dem Zweck des Lebens entspricht. Im Lateinforum gehen die Antworten zur Übersetzung eher in die Richtung ‚Finis vitae est vivere – Der Zweck des Lebens ist Leben‚.

Eine für mich stimmige Antwort liefert auch der Philosoph Christoph Quarch in diesem Interview bei SinndesLebens24, indem er sagt: „Ich stelle mir das Leben vor wie eine Melodie. Mit jedem Atemzug, den wir tun, schreiben wir diese Melodie fort. Sinn und Aufgabe ist es, eine schöne Melodie zu erzeugen, die stimmig ist, die auch viel Widersprüchliches miteinander verbindet. Da wo das Leben in sich stimmig ist, und die Melodie sich zu einem Ganzen fügt, da öffnet sich die Tiefendimension des Lebens, da erfahren wir Sinn.“

Und in Wikipedia ist zu lesen: „Die Frage nach dem Sinn des Lebens beinhaltet im weiteren Sinne die Frage nach der zweckgerichteten Bedeutung des Lebens im Universum an sich. Im engeren Sinn erfragt sie die biologische und sozio-kulturelle Evolution und insbesondere die Frage nach einer möglichen Sinngebung für den Menschen. Im engsten Sinne forscht sie nach der ‚Deutung des Verhältnisses, in dem der Mensch zu seiner Welt steht.‘ …. Sinnvoll erscheint ein Leben dann, wenn es einer idealen Wertvorstellung entspricht.“ Also, ein nach einem bestimmten Zweck oder nach eigenen Werten ausgerichtetes Leben führen?

Eine weit verbreitete Definition bei meinen Coachees ist, dass mit dem Sinn des Lebens ein erfülltes Leben gemeint ist. Doch was heißt erfülltes Leben? Worin besteht die Erfüllung? Was füllst Du in Deine Lebens-Schatztruhe, damit sie von innen heraus erstrahlt?

Wann taucht die Sinnfrage auf?

Ich habe mich gefragt, was uns Menschen antreibt, die Lebenssinn- oder Erfüllungs-Frage überhaupt zu stellen. Suchen Kinder nach einer Antwort auf diese Frage? Ich habe zumindest noch nie ein Kind erlebt, dass die Frage „Was ist der Sinn meines Lebens?“ gestellt hätte. Hier meine kleine ungestützte Schlussfolgerung:

So lange wir uns in unserem Leben wohlfühlen, verspüren wir in allem was geschieht einen Sinn. Die eigenen Bedürfnisse und Werte werden erfüllt und die Erwartungen an die Lebensbedingungen sind dann zumeist deckungsgleich mit der vorgefundenen Realität. So lange all das im Einklang ist, stellen wir uns die Frage nach der Sinnhaftigkeit nicht. Werden die Werte jedoch verletzt und die Lebensbedingungen verändern sich, erlebt man sich in einer Krise und fängt an Fragen zu stellen. Zunächst in Selbstgesprächen und nach und nach auch laut geäußert oder verschriftlicht, stellen sich viele nun gleich die ganz große Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens.

„Ersetze den Zweifel durch Dankbarkeit. Die Tage vergehen und der natürliche Kreislauf lässt die Krise verwelken und sie in neuem Licht erscheinen. Aufs Neue wird ein Samenkorn erweckt und erblüht. Genauso verläuft das Leben.“

Christiane Karsch
Photo by Jeremy Bishop on Unsplash

Eine Methode zum Umgang mit der Sinnkrise

Ich empfehle Dir, in einer Krise nicht gleich die ganz große Frage nach dem Sinn oder der Erfüllung in Deinem Leben zu suchen. Beschäftige Dich eher mit der Frage, wofür Du dankbar bist, denn das gibt Dir Anhaltspunkte für die Dinge, die Du auch zukünftig in Deine Lebens-Schatztruhe füllen magst. Hier ein paar hilfreiche Fragen:

  1. Wofür bist Du in Deinem Umfeld dankbar?
  2. Wofür bist Du dankbar, bei dem was Du tust oder in der Vergangenheit erreicht hast?
  3. Für welche Fähigkeiten und Talente bist Du dankbar?
  4. Für welche Erfahrungen und Erlebnisse, die Dein Leben im Kleinen und Großen verändert haben, bist Du dankbar?
  5. Für welche Funktionen, Rollen und Identitäten, die Du in Dir vereinst, bist Du dankbar?
  6. Für welche Möglichkeiten und Chancen, die Du in Deinem Leben erfahren hast, bist Du dankbar?
  7. Und wofür bist Du noch dankbar? Und wofür noch? Und wofür noch?

Nimm Dir etwas Zeit und Abstand, z.B. in der Natur, für Deine Antworten. Wenn Du magst, notiere Dir später Deine Antworten und Du wirst merken, wie sich eine große Freude und Zufriedenheit in Dir ausbreitet. Ich habe es selbst ausprobiert und spüre seitdem, wann die kritischen und zweifelnden inneren Stimmen durch einen Dank ersetzt werden wollen. Schon mit dem bewussten Wahrnehmen ändert sich meine Haltung und ein Lächeln erfüllt nicht nur mein Gesicht, sondern meinen ganzen Körper. Deshalb empfehle ich Dir:

Fülle Deine Lebens-Schatztruhe mit der Dankbarkeit und Du wirst erkennen, was Dein Ikigai ist.

Photo by Pro Church Media on Unsplash

Indianische Weisheit

„Es ist für mich nicht wichtig, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es ist für mich nicht wichtig, wie alt du bist. Ich möchte wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es ist für mich nicht wichtig, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich möchte wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual. Ich möchte wissen, ob du mit dem Schmerz – meinem oder deinem – da sitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen. Ich möchte wissen, ob du mit der Freude – meiner oder deiner – da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen erfüllt mit Begeisterung, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es ist für mich nicht wichtig, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist. Ich möchte wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst. Ich möchte wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig. Ich möchte wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du Dein Leben aus der Kraft des Universums speisen kannst. Ich möchte wissen, ob du mit dem Scheitern – meinem und deinem – leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: Ja!

Es ist für mich nicht wichtig, zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast. Ich möchte wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft, und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Es ist für mich nicht wichtig, wer du bist und wie du hergekommen bist. Ich möchte wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es ist für mich nicht wichtig, wo oder was oder mit wem du gelernt hast. Ich möchte wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist. Ich möchte wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. “

Oriah Mountain Dreamer, kanadische Schriftstellerin

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