Eine sinnvolle Arbeit – Luxus oder Grundbedürfnis?

Am vergangenen Samstag war ich beim „Mutmacher-Gipfel – Entdecke Dein Wofür“ in Göttingen. Rund 550 Menschen zwischen 18 und 85 ließen sich von den inspirierenden Vorträgen und dem Austausch mit anderen Teilnehmern Mut machen neue Wege zu gehen. Meine Mitfahrerin Kerstin S. erzählte bei der Rückfahrt nach Köln, dass sie sich mit einer Teilnehmerin über ihre berufliche Neuorientierung ausgetauscht habe. Kerstin meinte, sie empfinde es als Luxus, sich einen Job suchen zu können, der sie ausfüllt und zufrieden macht. Das hat mich zu der Frage gebracht „Ist es wirklich Luxus oder eher ein menschliches Grundbedürfnis eine sinnvolle Arbeit auszuführen?“

Bevor Du weiterliest, stelle Dir bitte die folgenden Fragen und beantworte sie für Dich – am besten schriftlich:

  • Wie denke ich über mich, wenn ich eine sinnvolle Arbeit als Luxus bezeichne?
  • Wie denke ich über mich, wenn ich eine sinnvolle Arbeit als Grundbedürfnis bezeichne?

Welche Antworten hast Du gefunden? Und welche Unterschiede stellst Du fest? Welche Haltung/Denkweise ist Dir vertrauter und liegt Dir näher? Welche neue Perspektive gewinnst Du, wenn Du Dich mit der ungewohnten Haltung vertraut machst?

Die Zeiten haben sich geändert, doch wir denken noch in alten Mustern

Ich habe mir die Fragen auch gestellt und komme für mich zu dem Schluss, dass eine sinnvolle Arbeit in unserer heutigen Zeit ein menschliches Grundbedürfnis ist. Wie komme ich dazu?

Seit der Generation unserer Eltern und Großeltern hat sich unser gesellschaftliches Leben stark verändert. Meine Eltern sind in der Kriegs- und Nachkriegszeit aufgewachsen. Die Werte Familie, Sicherheit, Nahrung und Wohnraum standen an erster Stelle. Arbeit war nur ein Mittel zum Zweck. Solche Dinge wie, die Familie kann sich sonntags ein Stück Fleisch leisten und die Wohnung wird mit jedem Umzug ein bisschen größer, waren Motivatoren genug seinen Dienst zur verrichten.

Hierarchien im Sinne von, der Chef oder das Familienoberhaupt sagt wo es lang geht, waren zumindest für meine Eltern richtungsweisend und wurden vielleicht angezweifelt, jedoch befolgt. Nur wenige folgten ihrem Herzen und begaben sich mutig auf eine Heldenreise ins Ungewisse. Dafür riskierten sie häufig den Bruch mit der Familie und ihrem gewohnten Umfeld. Mein Vater wollte beispielsweise Tierarzt werden, wie er mir erst im hohen Alter berichtete. Mein Großvater hatte ein BWL Studium für ihn vorgesehen und mein Vater gehorchte, denn er wollte seinen Vater niemals enttäuschen.

Die Werte der heutigen Zeit sind vielfältiger. Auch wenn Familie bzw. Beziehungen und Sicherheit für viele immer noch einen hohen Stellenwert haben, so sind an Stelle von Nahrung und Wohnraum eher die Freiheit sich sein Essen nach Geschmack und Gesundheitsfaktor zusammenstellen zu können und eine unabhängige Lebensweise getreten.

Die strukturgebenden Hierarchien, die vorgaben was zu tun und zu lassen ist, gibt es kaum noch. Bereits im frühen Alter können Kinder wählen, ob sie lieber zum Leichtathletik, Fussball, Fechten, Geigen, Flöten oder Schwimmen gehen möchten. Selbst ich wurde Anfang der 70iger Jahre schon zum eigenständigen Denken und Handeln erzogen und durfte zunächst den Beruf der Tanzlehrerin einschlagen. Doch die Entscheidungen für sein eigenes Leben zu treffen und einen Weg zu wählen, ist nicht immer leicht. Denn in dem Moment übernimmt man die Verantwortung für sein Handeln und kann weder andere Menschen noch die Umstände für die Folgen verantwortlich machen.

Die Türen öffnen

Sinnvolle Arbeit - Luxus oder Grundbedürfnis?Mit der Wahlfreiheit der heutigen Zeit stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Arbeit. Ein menschliches Bedürfnis ist es seinen Platz in der Gesellschaft zu finden und zu etwas nütze zu sein. Zu was, dürfen wir heute selber definieren. Was sich aus den Freigeistern noch entwickeln wird? Vielleicht neue Goethes, Schillers, Mozarts und Beethovens?

Ich wünsche Dir Mut, Vertrauen in Dich und Deine Entscheidungen und Ausdauer beim Finden der Arbeit, die Dir Sinn gibt und Dich ausfüllt. Ideen, wie Du Mut, Vertrauen und Ausdauer gewinnen kannst, findest Du in den entsprechenden Blogbeiträgen.

Photo by Sammie Vasquez on Unsplash

Ein Gedanke zu „Eine sinnvolle Arbeit – Luxus oder Grundbedürfnis?

  1. Gernot Franke Antworten

    Hallo liebe Christiane,
    Hallo liebe Blog-Leser,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Hier ein paar Überlegungen von mir:
    Tja Luxus oder Grundbedürfnis??
    Für mich ist Arbeiten wie Essen, Trinken, Schlafen, soziale Kontakte haben, ein Grundbedürfnis.
    Also Tätigsein an sich brauche ich.
    Primär gilt dies zunächst der Eigen- oder Familienversorgung.

    Die Auswahl meiner Tätigkeiten/Arbeit und deren Durchführung und Menge(= Berufsarbeitszeit) zur Deckung meiner Lebensvorstellungen ist ein Stück Luxus.
    Luxus übersetze ich für mich damit, dass ich nicht in Jemandes Fußstapfen treten MUSS.
    Somit trage ich keine (unfreiwillige) Verantwortung eine Familie/Betrieb aufrecht erhalten zu müssen.
    Dies bedeutet Freiheit, Selbstbestimmung, jedoch auch mehr Eigenverantwortung, da ich nicht auf „Familienwissen“ zurückgreifen kann.

    Luxus kann ich auch dahingehend interpretieren als dass ich z.B. einer unentgeltlichen / selbstlosen / ehrenamtlichen Tätigkeit nach gehen kann ohne wirtschaftliche Interessen zu haben müssen.

    Luxus kann heute die Arbeit im Garten sehr sinnig/erfüllend sein ohne, wie früher, lebensnotwendige Güter anzubauen.

    Fazit:

    Wird Arbeit mit Tätigsein übersetzt, also frei von wirtschaftlichen Bezügen, ist Tätigsein für mich unabdingbar.

    Also backe ich jetzt ein Brot =
    – Luxus an Zeit
    – Luxus Spaß
    – Luxus Lecker
    – Luxus Sinn
    – Luxus das Brot teilen zu können
    – Luxus mir Gedanken über Luxus machen zu können und nicht stur abarbeiten müssen.

    Liebe Grüße von Gernot

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